Pressteile Automotive: Anforderungen an Werkstoff, Bemusterung und Rückverfolgbarkeit

Pressteile Automotive: gestanzte Stahlteile aus der Serienfertigung der Fuchs Metalltechnik GmbH

Wer Stanz- und Pressteile an die Automobilindustrie liefert, verkauft nicht nur ein Teil, sondern einen nachweisbar beherrschten Prozess. Pressteile Automotive unterscheiden sich von vielen anderen Anwendungen weniger durch die Geometrie als durch das, was rundherum verlangt wird: belegte Werkstoffe, enge Toleranzen über große Serien, eine dokumentierte Bemusterung und eine Rückverfolgbarkeit bis zur Charge. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Anforderungen Automobilzulieferer an einen Stanzteil-Lieferanten stellen, worauf Sie bei der Auswahl achten sollten und wie die Fuchs Metalltechnik GmbH in Ybbsitz diese Punkte in Werkzeugbau und Serienfertigung abdeckt.

Pressteile Automotive: Warum die Anforderungen höher liegen

Ein Halter, eine Klammer oder ein Kontaktteil im Fahrzeug ist meist ein unscheinbares Bauteil. Fällt es aus, kann das aber eine ganze Baugruppe betreffen – und im schlimmsten Fall einen Rückruf auslösen. Deshalb verlangt die Automobilindustrie von ihrer Lieferkette, dass jedes Teil nicht nur passt, sondern dass sich auch belegen lässt, warum es passt. Gefragt ist ein Lieferant, der Maße, Werkstoff und Prozess dokumentiert und diese Dokumentation über die gesamte Laufzeit eines Projekts aufbewahrt.

Dazu kommt die Stückzahl. Automotive-Projekte laufen oft über Jahre mit hohen, gleichmäßigen Abrufmengen. Ein Prozess, der bei tausend Teilen gut funktioniert, muss bei hunderttausenden Teilen genauso stabil laufen. Werkzeugstandzeit, Nachschliff, Bandqualität und Pressenparameter werden damit zu Qualitätsthemen, nicht nur zu Kostenfragen.

Werkstoff: Nachweis statt Annahme

Am Anfang jedes Pressteils steht der Werkstoff. In der Automobilindustrie wird erwartet, dass die verwendete Güte eindeutig festgelegt und je Lieferung belegt ist. Üblich ist ein Abnahmeprüfzeugnis 3.1 nach EN 10204, in dem der Hersteller des Vormaterials chemische Zusammensetzung und mechanische Kennwerte bestätigt. Viele Automobilkunden verlangen außerdem, dass die Werkstoffdaten des fertigen Teils in ihren Systemen erfasst werden, etwa im Materialdatensystem IMDS. Klären Sie im Angebot, welche Nachweise Sie je Lieferung benötigen, damit sie von Beginn an mitgeplant werden.

Bei der Fuchs Metalltechnik GmbH werden in der Stanztechnik Stahl, Edelstahl, Federstahl, Aluminium, Messing und Kupfer verarbeitet, mit Bandbreiten von 15 bis 500 mm und Banddicken von 0,15 bis 8,00 mm. Welche Güte für ein Fahrzeugteil die richtige ist, hängt von Belastung, Umformgrad und späterer Oberfläche ab. Einen Überblick über die Werkstoffwahl bei Pressteilen finden Sie im Beitrag Pressteile aus Stahl und Aluminium.

Wichtig für Automotive-Teile ist auch die Nachbehandlung, denn sie verändert Eigenschaften und Maße. Fuchs bietet unter anderem KTL- und Pulverbeschichtung, Zink-Lamelle, Verzinken, Verchromen, Eloxieren, Gleitschleifen und Wärmebehandeln an. Werden hohe Anforderungen an die Sauberkeit gestellt, werden die Stanzteile im Haus gewaschen. Für den Automobilkunden zählt, dass diese Schritte in der Bemusterung mitgeprüft und in der Dokumentation enthalten sind.

Enge Toleranzen in großen Serien

Stanzbiegeteile müssen passen, und dabei kommt es auf jeden Hundertstel-Millimeter an. In der Automobilindustrie wird das nicht nur an einzelnen Mustern geprüft, sondern über die laufende Serie hinweg. Entscheidend ist, dass ein Merkmal nicht nur einmal innerhalb der Toleranz liegt, sondern dauerhaft und mit Abstand zu den Grenzen. Automobilkunden fordern dafür häufig Fähigkeitsnachweise für besonders wichtige Merkmale.

Technisch hängt diese Stabilität stark vom Werkzeug und von der Presse ab. Fuchs fertigt vorrangig vom Coil mit Folgeschnitt- und Folgeverbundwerkzeugen, auf Exzenterpressen von 40 bis 400 Tonnen Presskraft und mit bis zu 400 Hüben pro Minute. Das Folgeverbundwerkzeug führt das Band Schritt für Schritt durch alle Stufen, sodass jedes Teil dieselben Arbeitsgänge in derselben Lage durchläuft. Diese Wiederholgenauigkeit ist die Voraussetzung dafür, dass Maße auch bei hohen Stückzahlen gleich bleiben.

Ebenso wichtig ist die Gestaltung des Teils. Biegeradien, Lochabstände zur Biegekante oder Gratrichtung entscheiden mit, wie eng eine Toleranz wirtschaftlich gehalten werden kann. Je früher der Lieferant in die Konstruktion eingebunden wird, desto leichter lassen sich Merkmale so festlegen, dass sie in der Serie sicher erreicht werden.

Bemusterung: der dokumentierte Startschuss

Bevor ein Pressteil in Serie geht, wird es bemustert. Im deutschsprachigen Automotive-Umfeld richtet sich das meist nach VDA Band 2, international nach PPAP. Im Kern geht es um dasselbe: Der Lieferant zeigt anhand von Teilen aus seinem Serienprozess, dass alle Merkmale der Zeichnung erfüllt sind. Dazu gehören ein Erstmusterprüfbericht mit allen gemessenen Maßen, die Werkstoffnachweise, Angaben zu Oberfläche und Beschichtung sowie bei Bedarf weitere Prüfungen.

Im Werkzeugbau der Fuchs Metalltechnik GmbH ist dieser Schritt fest verankert. Laut Leistungsseite entspricht der Bemusterungsprozess den Anforderungen der Automobilindustrie: Mit modernen Messmitteln werden die Teile vermessen, die Ergebnisse in Messprotokollen nach VDA-Richtlinien dokumentiert und Protokolle und Muster gemäß VDA 1 archiviert. Vor der Bemusterung werden neue Werkzeuge auf hydraulischen Probierpressen, C-Pressen und Stanzautomaten unter realen Bedingungen getestet und für die Serie abgestimmt.

Die Freigabe gilt für genau den bemusterten Stand. Ändert sich danach etwas Wesentliches – ein anderer Werkstofflieferant, ein neues oder grundlegend überarbeitetes Werkzeug, ein Wechsel der Beschichtung oder des Fertigungsstandorts –, verlangen Automobilkunden in der Regel eine erneute Bemusterung oder zumindest eine Information vorab. Für Sie als Abnehmer heißt das: Vereinbaren Sie mit Ihrem Lieferanten klar, welche Änderungen meldepflichtig sind, damit keine ungeprüfte Änderung in Ihre Serie gelangt.

Was genau gemessen wird und was in ein Messprotokoll gehört, erklären wir ausführlich im Beitrag Stanzteile und Biegeteile: Messung, Messprotokoll und Erstbemusterung nach VDA.

Rückverfolgbarkeit je Charge

Tritt im Feld ein Fehler auf, muss der Automobilkunde schnell eingrenzen können, welche Teile betroffen sind. Dafür braucht er eine Kette, die vom eingebauten Teil zurück bis zum Vormaterial reicht: Welches Coil mit welcher Charge wurde verarbeitet, mit welchem Werkzeugstand, an welchem Tag, und welche Prüfergebnisse liegen dazu vor? Je enger diese Kette geschlossen ist, desto kleiner fällt eine mögliche Sperre oder ein Austausch aus.

Die Grundlage bildet eine saubere Chargenführung im Betrieb. Bei Fuchs werden Protokolle und Muster nach VDA 1 archiviert, sodass sich Messergebnisse und Freigaben auch später einem Auftrag zuordnen lassen. Direkt am Teil kann die Rückverfolgbarkeit durch eine Kennzeichnung ergänzt werden, etwa durch Prägen im Werkzeug oder eine Lasermarkierung. Welche Varianten es gibt und wann welche sinnvoll ist, lesen Sie im Beitrag Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit von Stanzteilen.

Lieferfähigkeit und Abrufplanung

Automobilwerke arbeiten mit knappen Lagerbeständen und festen Abrufen. Ein Lieferant muss deshalb nicht nur gute Teile herstellen, sondern sie verlässlich zum vereinbarten Termin bereitstellen. Gefragt sind planbare Lieferzeiten, ausreichende Kapazität für Mengenschwankungen und ein Werkzeug, das im Bedarfsfall rasch instand gesetzt werden kann.

Fuchs arbeitet dafür mit einem hauseigenen Produktions-Rhythmusplan. Er soll laut Unternehmen günstige Kosten auch bei kleinen Abrufmengen, geringe Lagerkosten, Versorgungssicherheit und feste Lieferzeiten ermöglichen. Mit rund 4.000 Tonnen verarbeitetem Blech pro Jahr ist die Fertigung auf Serienmengen ausgelegt. Da Werkzeugbau und Stanzerei unter einem Dach liegen, gehen Änderungen am Werkzeug ohne Umweg über einen externen Werkzeugmacher.

Zertifizierung: was Sie vorab klären sollten

In der Automobilindustrie ist die IATF 16949 der verbreitete Standard für Qualitätsmanagementsysteme. Viele Fahrzeughersteller erwarten ihn von ihren direkten Zulieferern, in tieferen Ebenen der Lieferkette ist die Anforderung je nach Kunde und Teil unterschiedlich geregelt. Klären Sie deshalb früh, welche Zertifizierung Ihr Kunde für Ihr Teil verlangt und welche Anforderungen an Unterlieferanten weitergegeben werden.

Die Fuchs Metalltechnik GmbH ist nach ISO 9001 zertifiziert. Auf dieser Grundlage stimmen wir mit Ihnen ab, welche Nachweise, Prüfungen und Dokumente Ihr Projekt benötigt, und legen Bemusterung und Serienprüfung entsprechend fest. Die Zertifikate stehen auf der Website zum Download bereit.

Draht- und Stanzbiegeteile aus einer Hand

Viele Automotive-Baugruppen kombinieren gestanzte Bleche mit gebogenen Drahtteilen, etwa Halter, Federn oder Bügel. Kommen beide aus einem Betrieb, laufen Werkstoffnachweise, Bemusterung und Rückverfolgbarkeit nach denselben Abläufen. Neben der Stanztechnik bietet Fuchs auch Drahtbiegetechnik an, sodass sich solche Kombinationen gemeinsam planen lassen.

Häufige Fragen zu Pressteilen für die Automobilindustrie

Was unterscheidet Pressteile Automotive von anderen Stanzteilen?

Die Geometrie ist oft ähnlich. Der Unterschied liegt im Umfeld: belegte Werkstoffe je Lieferung, eine dokumentierte Bemusterung nach VDA oder PPAP, stabile Toleranzen über große Serien und eine Rückverfolgbarkeit bis zur Charge.

Welche Unterlagen gehören zu einer Erstbemusterung?

Typisch sind der Erstmusterprüfbericht mit allen Zeichnungsmaßen, Werkstoffnachweise wie das Abnahmeprüfzeugnis 3.1, Angaben zu Oberfläche und Beschichtung sowie die Muster selbst. Der genaue Umfang wird mit dem Kunden festgelegt.

Wie lange werden Messprotokolle und Muster aufbewahrt?

Das richtet sich nach den Vorgaben des Kunden und nach VDA 1. Bei der Fuchs Metalltechnik GmbH werden Protokolle und Muster langfristig gemäß VDA 1 archiviert.

Ist die Fuchs Metalltechnik GmbH nach IATF 16949 zertifiziert?

Nein. Fuchs ist nach ISO 9001 zertifiziert. Ob das für Ihr Projekt ausreicht, hängt davon ab, welche Anforderungen Ihr Kunde an seine Unterlieferanten stellt. Sprechen Sie uns an, dann klären wir das gemeinsam.

Welche Werkstoffe kommen für Automotive-Stanzteile infrage?

Verarbeitet werden bei Fuchs Stahl, Edelstahl, Federstahl, Aluminium, Messing und Kupfer in Banddicken von 0,15 bis 8,00 mm. Die Wahl richtet sich nach Belastung, Umformung und Oberfläche.

Fazit

Pressteile für die Automobilindustrie verlangen mehr als ein maßhaltiges Teil. Gefragt sind belegte Werkstoffe, stabile Prozesse in großen Serien, eine dokumentierte Bemusterung und eine Rückverfolgbarkeit bis zur Charge. Die Fuchs Metalltechnik GmbH in Ybbsitz verbindet dafür eigenen Werkzeugbau mit Probierpressen, Bemusterung mit Messprotokollen nach VDA-Richtlinien und Archivierung nach VDA 1 sowie eine Serienfertigung mit Pressen bis 400 Tonnen. Wenn Sie ein Automotive-Stanzteil anfragen möchten, schicken Sie uns Ihre Zeichnung und Ihre Anforderungen an Nachweise und Dokumentation – wir prüfen gemeinsam mit Ihnen, wie sich Ihr Teil sicher in Serie bringen lässt.